Momo – das „Projekt Hansi“

Wir biegen in eine ruhige Seitenstraße in einem kleinen Dorf bei Flensburg ein und ein schwedenroter Offenstall auf einer kleinen Koppel erscheint im Blickfeld. Auf der Koppel stehen friedlich grasend ein dunkelbraunes, ein hellbraunes und ein weißes Pony.

Beim Offenstall herrscht reges Treiben, nicht nur Menschen scheinen aktiv zu sein, auch ein schwarz-weißer Border Collie wuselt durch die Gegend. Wir werden von Bettina Jürgensen und dem Border Collie namens Paula begrüßt und über die Koppel geführt. Während wir über die Koppel laufen heben die Ponys interessiert ihre Köpfe und beobachten unseren Weg zu ihrem Stall. Alle Menschen scheinen etwas zu tun zu haben, kommen bei unserem Eintreffen aber alle zusammen und wir stellen uns kurz vor. Uns fällt auf, dass die Truppe bunt gemischt ist, jedes Alter und Geschlecht ist vertreten und alle wohnen in und um Flensburg. Nachdem auch wir uns als Mitarbeiter von tiierisch.de vorgestellt haben und sagten, dass wir uns freuen alle kennenzulernen und das Projekt verstehen lernen wollen, bekommen wir einen kleinen Rundgang durch den Stall. Alle anderen finden schnell zurück zu ihren Beschäftigungen, so werden die Ponys ruhig zum Stall geführt um sie zu putzen und zu pflegen, an den Stall werden Buchstaben geklebt, die später mit Lackfarbe ausgemalt werden sollen und der Zaun wird passend zum Stall schwedenrot angestrichen (siehe Titelbild).

Bettina zeigt uns den von Sturm „Christian“ zerstörten und inzwischen wieder reparierten Stall und es fällt auf, wie wohnlich und bunt solch ein Pferdestall eingerichtet sein kann. In der großen Pferdebox hängen Bilder an der Wand und Osterdeko aus Stroh steht in der Fensterbank. An der langen Seite sind große Plakate befestigt mit Überschriften wie „Selbstbewusstsein braucht als Basis Selbstakzeptanz“ und „Wie wirke ich auf Pferde bei meiner Arbeit am besten?“

Nun erfahren wir, was es bedeutete, als Bettina uns die Menschen als „Momos“ vorstellte und von ihrem „Projekt Hansi“ sprach. Als Jobvermittlerin beim Jobcenter begann ihre Karriere und wurde ausgeweitet, als sie Qualifizierungen der Arbeitssuchenden durchführen sollte. Während ihrer Arbeit war es ihr aber schon immer ein Anliegen, dass die arbeitsuchenden Menschen nicht nur eine Arbeitsstelle brauchen, sondern auch emotional auf diese Arbeit vorbereitet werden müssen. Als dann ein neues Gesetz verabschiedet wurde, war diese sogenannte „Aktivierung“ förderungsfähig und Gelder konnten dafür angewandt werden. Durch einen Zufall kam Bettina auf die Idee, Menschen mithilfe von Pferden emotional zu unterstützen und auf die Arbeitswelt vorzubereiten .

So erfahren wir, dass das dunkelbraune Pony Leonie heißt und den Grundstein für das Projekt setzte. Kurt, das kleine hellbraune Pony war ein ausgedientes Schulpony und genießt jetzt seinen Lebensabend bei guter Pflege. Die „Momos“ sind zwei Tage die Woche am Offenstall und kümmern sich um die Ponys und der Gestaltung des Geländes.

Eigene kreative Ideen sind erwünscht, werden gefördert und unterstützt. Die anderen drei Tage in der Woche treffen sich alle Teilnehmer in der Walzenmühle und besprechen verschiedene Themen theoretisch. An solchen Tagen sind auch die im Stall hängenden Plakate entstanden. In den Theoriestunden wird besprochen wie Bewerbungen geschrieben oder Konflikte im Alltag und Berufsleben gelöst werden können. Uns fällt jedoch auch auf, dass bei dieser „Aktivierung“ nicht ein Gruppenziel im Vordergrund steht, sondern jeder Mensch als Individuum mit seiner Geschichte und seinen Problemen gesehen wird. So suchen sie gemeinsam nach Lösungen und jeder hat sein persönlich gestecktes Ziel. Finanziert wird das Projekt durch das Jobcenter Flensburg, jedoch sind die Mittel knapp und es muss mit dem Geld gut gehaushaltet werden.

Nun kam es dann dazu, dass Bettina gebeten wurde ein kleines Pony aufzunehmen, dem es leider überhaupt nicht gut ergangen ist.

Das „Projekt Hansi“ verschafft der Gruppe ein gemeinsames Ziel, denn dieses Pony muss kämpfen. Abgemagert, krank und ungepflegt kam es zu den „Momos“ und nun wird mit aller Macht versucht dem kleinen Schimmelpony wieder auf die Beine zu helfen. Während wir dem Bericht von Bettina lauschen werden Leonie, Kurt und Hansi draußen geputzt, gepflegt und geherzt. Paula, der Border Collie, spielt nebenbei ausgelassen mit einem der „Momos“ und jedem der Tiere ist anzusehen, wie sehr es die Aufmerksamkeit genießt.

 

Für uns ist klar: dieses einmalige Projekt müssen wir unterstützen. Zum einen werden die Tiere gut umsorgt und zum anderen tut dieses ganze Projekt den Menschen sehr gut. Jeder hat seine Aufgabe und die Ponys verlassen sich auf ihre Menschen. Die „Momos“ wissen um ihre Verantwortung und sind mit Ehrgeiz, Feuereifer und ganzem Herzen bei der Sache.

Am 18.05. sind die „Momos“ auf der Automeile Flensburg hinter der Oil Tankstelle und am 22.05. findet ein Tag der offenen Tür statt. Bis dahin soll der alte Kurt ein paar Tricks lernen und Hansi ein bisschen gesünder werden.

tiierisch.de hat sich entschieden, dieses Projekt zu unterstützen und Hansi und den „Momos“ mit Material für Pflege, Training und Futter zu helfen.

 

Weitere Infos unter: www.job-focus-nord.de

Ein Gedanke zu „Momo – das „Projekt Hansi“

  • 15. April 2014 um 19:45
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    Liebes tiierisch.de Team,
    wir möchten uns sehr bei Euch bedanken!

    Hansi braucht zur Zeit viel Pflege und eine intensive Betreuung. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Ihr uns unterstützt. Alle „Momos“ sind begeistert! Alle haben sich gefreut Euch und die Firma kennenzulernen.

    Tierschutz ist wichtig – persönliche Kontakte auch. Wir sind froh, Euch kennen gelernt zu haben 🙂

    Wir sehen uns sicherlich bald wieder!

    Danke – Danke – Danke!!!

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