Gesunde Kräuter für die Nager

Nicht einfach alles verfüttern

Kaninchen, Meerschweinchen und auch Hamster sollten nicht nur Trockenfutter oder Kraftfutter erhalten. Zähne von Nagern wachsen fortlaufend nach und nutzen sich nur durch die tägliche und intensive Verwendung ausreichend ab. Wird dem Wachstum der Zähne nicht entgegengewirkt, vergrößern sich die Zähne weiter, bis die Tiere nicht mal mehr Kraftfutter fressen können. Wer die Zähne dann nicht beim Tierarzt kürzen lässt, der hat schnell ein verhungertes Haustier. Regelmäßiges Bereitstellen von einer angemessenen Menge Heu oder die Zugabe harter Nahrung ist deswegen bei der Nagerhaltung Pflicht. Ein wenig angetrocknetes Brot kann deswegen immer gut als Ergänzung gegeben werden.

Beim Nagen frischer Kräuter nutzen die Zähne ebenfalls ab. Kräuter enthalten außerdem mehr Vitamine als in Heu. Es darf jedoch nicht einfach jede Pflanze ohne Bedenken gefüttert werden, da es für Nager sehr giftige Pflanzen oder auch giftige Orte gibt. Viele Zierpflanzen sind bekanntermaßen nicht nur für Nager pures Gift. Ebenso liefert jedoch auch die Wiese im Industriegebiet mit Pech nur giftige Kräuter, wenn der Boden oder die Luft von Außeneinflüssen verseucht sind. Direkt am Straßenrand sollte man ebenfalls nicht seinen Löwenzahn zupfen, da die Abgase sich schädlich auf die Gesundheit des gefütterten Tieres auswirken können. Man sollte wenigstens eine Seitenstraße und dann in einen Feldweg fahren, um dort die Kräuter am Rande einer Wiese zu pflücken. Das Sammeln von Gras an Feldern sollte vermieden werden, da die Felder gespritzt werden und die Kräuter  an deren Rändern somit vielleicht auch vergiftet sein könnten. Weiterhin sollte man nur Kräuter mitnehmen, die einem bereits als bekömmlich bekannt sind. Außerdem sollen nur die frischen Triebe mit genommen werden.

Geeignete Nagerkräuter

Kamille

Für Nager eignet sich eine Vielzahl an wild wachsenden Kräutern. Die Kamille wird jedoch eher in kleinen Mengen gegeben, alle Teile der oberirdischen Pflanze können verzehrt werden. Die Kamille findet sich normalerweise auf trockenem und kalkhaltigem Boden.

Kamille wirkt antibakteriell, austrocknend, beruhigend, blutreinigend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schmerzlindernd, schweißtreibend.
Kamillentee darf niemals am Auge angewendet werden!

Löwenzahn

Löwenzahn ist unter den Nagerkräutern der König, da er fast überall wächst. Die saftigen Blätter werden gerne gefressen und sind bekömmlich. Auch hier gibt es keine bedenklichen oberirdischen Pflanzenteile, die man nicht zupfen sollte. Dieses leckere Nagerkraut wächst fast überall, wenn es nicht von anderen Pflanzen überwuchert wird.

Klee

Klee sollte nicht gezupft und verfüttert werden, wenn er gerade blüht. Ansonsten wird er in geringen Mengen gut vertragen.

Gräser

Weiche und frische Gräser werden ebenfalls gerne gefressen. Diese sind besser als das harte Ackergras, das für die Kühe gemäht und zu Silage verarbeitet wird. Man darf dieses weiche Gras jedoch nicht nach dem Ernten auf einem Haufen lagern, da es von innen warm wird und dann unbekömmlich für die Nagern ist. Dies gilt für anderes Grünzeug ebenfalls, da man es zur Zwischenlagerung oder Trocknung nur ganz dünn ausbringt und morgens und abends wendet.

Basilikum

Basilikum wird gerne gefressen und wirkt appetitanregend, krampflösend, verdauungsfördernd, beruhigend, entwässernd, entwurmend sowie entzündungshemmend

Bohnenkraut

Bohnenkraut darf verfüttert werden und schmeckt den Nagern.

Petersilie

Petersilie ist ein sehr beliebtes Futter, vor allem für Kaninchen. Sie wirkt harntreibend, krampflösend, schleimlösend, appetitanregend, verdauungsfördernd und blutreinigend.

Pfefferminze

Pfefferminze wird meist gern gefressen und wirkt antibakteriell, beruhigend, entzündungshemmend, appetitanregend, verdauungsfördernd, keimtötend, gallentreibend, krampflösend und schmerzstillend.

Kräuter aus dem Garten

Wer einen Garten hat, kann auch hier einiges für die Nager anbauen. Diese freuen sich z.B. über selbst gepflanztes Basilikum, aber auch Pfefferminze oder Bohnenkraut. Über Petersilie werden sich die Nager sogar ganz besonders freuen. Der Erfolg des eigenen Kräuterbeets kommt etwas auf die Gegebenheiten im eigenen Garten an, da nicht jede Pflanze an einer beliebigen Stelle gleich gut wächst. Es kann in diesem Fall jedoch einfach im Gartencenter gefragt werden, welche Pflanzen welche Bedingungen benötigen. Wenn erst mit dem Pflanzen von ein paar Testpflanzen im Frühling begonnen wird, weiß man spätestens im Herbst, welche Nagerkräuter gut unter den Gegebenheiten des eigenen Gartens wachsen und kann diese vielleicht für das nächste Jahr schon stehen lassen.

Wer auf der Fensterbank, dem Balkon oder im Garten ein paar Kräuter stehen hat, kann ständig ein paar frische Triebe verfüttern. Man muss nicht zwangsweise in ländlicher Gegend nach Kräutern suchen. Wohnt man jedoch in der Stadt, kann man allerdings auch sehr gut an der Gemüsetheke Leckereien für die Nager einkaufen. Etwas bedenklich sind jedoch die sehr schnell braun werdenden Äpfel. Von derartigem Frischfutter sollten deshalb nur kleine Mengen gegeben werden, die direkt verzehrt werden können.

Die Gemüsetheke

Möhren, Gurken, Salatreste oder weitere Obst- und Gemüsesorten lassen sich im Kühlschrank ein paar Tage lagern und werden meist dankend vom kleinen Nager angenommen. Man sollte jedoch nicht alles von der Gemüsetheke als geeignet für Nager betrachten. Blähendes Gemüse wie Bohnen oder Kohl sollten ausgelassen werden. Zitrusfrüchte sowie deren Schale sollten nicht gegeben werden. Auch auf Zwiebeln, Peperoni oder scharfe Pflanzen muss bei der Fütterung verzichtet werden.

Es stellt sich jedoch immer auch die Frage, welche Nahrung die Tiere gewöhnt sind. Wenn sie Karotten nicht kennen, fressen sie diese vielleicht nicht, obwohl Karotten eigentlich das optimale Nagerfutter darstellen. Karotten sind aufgrund ihrer Konsistenz eine geeignete Herausforderung für die Nagezähne und enthalten nicht allzu viel Wasser, wie bspw. Gurken. Außerdem können Karotten sehr gut über einen längeren Zeitraum im Kühlschrank gelagert werden. Daher können einzelne Karotten jedoch auch ein paar Stunden im Gehege liegen bleiben, falls sie anfangs nicht gleich gefressen werden. Wenn Nager langsam daran gewöhnt werden, fressen sie nämlich sogar Kartoffelschalen oder Kartoffelstückchen, obwohl dies nicht das Futter der ersten Wahl wäre.

Nicht alle Nager sind gleich

Eine wichtige Ergänzung zu diesem Artikel ist, dass Nager nicht gleich Nager sind. Meerschweinchen, Karnickel und andere Nager aus feuchteren Regionen sind frische Pflanzennahrung gewohnt. Bei Rennmäusen werden einige wenige frische Petersilienhalme bereits genügen. Bei Hamstern, die ihr Futter bekanntlich hamstern (also über längere Zeit einlagern), ist feuchte Nahrung hingegen sogar in kleinen Mengen schon fraglich. Die Hamster bringen alles in ihren Bau, wo es schnell gammelig wird. Man sollte die Ernährung also auf das spezielle Nagetier abstimmen und einigen doch nur trockenes Heu als Zusatz geben.

Frisches Futter soll immer ebenfalls individuell nur so viel zugegeben werden, wie die Nager gerade fressen. Es sollte als grobe Orientierung nach circa acht Stunden alles bereits weg sein, da das Heu über Nacht reichen wird. Bei Fütterung von Frischfutter wird weniger Wasser getrunken, bei Heu und Trockenfutter jedoch mehr. Die Fütterung wirkt sich auch auf das Säubern des Käfigs aus. Sind die nassen Stellen doch etwas groß, kann man auch nur diese säubern und altes Streu an diese Ecken schieben oder doch etwas weniger Frischfutter geben. Die Nager werden sich jedoch in jedem Fall auf die Fütterung freuen, wenn es ein paar frische Pflanzenteile gibt.

 

Für diesen Text bedankt sich tiierisch.de herzlich bei Robert Brungert – mitwirkend bei Gartenwissen

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.