Erste Hilfe für Hunde und Katzen

Was tun, wenn Hund oder Katze verunglücken?

Erste Hilfe Tipps

Dass dem heiß-geliebten Hund oder der Katze einmal etwas passieren könnte, diesen Gedanken möchte jedes Frauchen oder Herrchen am liebsten ganz weit von sich schieben. Doch im Ernstfall können wertvolle Sekunden und Minuten lebensrettend sein. Je besser man darauf vorbereitet ist, umso besonnener und schneller kann man handeln. Es muss ja auch nicht unbedingt das eigene Tier sein, das in Not ist. Wer geübt ist und weiß, was zu tun ist, kann auch einem fremden Tier zu Hilfe kommen.

Maulkorb oder Maulschlinge anlegen beim Hund

Selbst der liebste Hund kann bei einer Verletzung panisch reagieren und davon laufen. Deshalb als erstes immer sofort anleinen. Zudem besteht die Gefahr, dass er aus Angst vor Schmerz beißen will.

Idealerweise wird dem Hund ein Maulkorb angelegt. In den seltensten Fällen aber wird dieser vorhanden sein. Dann dient als Ersatz eine Mullbinde aus dem Verbandskasten, ein dünnes Halstuch, ein Schnürsenkel oder auch eine Strumpfhose, um eine Maulschlinge „anzufertigen“: zuerst formt man eine Schlinge, die mit einem Halbknoten über die Schnauze des Hundes gezogen wird und mit einer weiteren Schlinge unterm Kinn verknotet wird. Die beiden Enden werden hinter den Ohren am Nacken fest verknotet. Wichtig ist, dass der Hund die Maulschlinge nicht wieder abziehen kann, die Atmung darf jedoch nicht behindert sein. Es lohnt sich, den Hund vorher in Trockenübungen an diese Prozedur zu gewöhnen. Erstens lernt man selbst die richtigen Handgriffe, zweitens wird der Hund im Fall eines Unglücks die Schlinge als weniger bedrohlich empfinden, weil er eben schon damit vertraut ist. Idealerweise zieht man einen „Assistenten“ für diese Unfallmaßnahme heran, um den Hund festzuhalten. In jedem Fall ist Vorsicht geboten. Man sollte den Hund genau beobachten. Zeigt der Hund Atembeschwerden, blutet er aus der Nase oder ist er gar bewusstlos, ist die Maulschlinge zu entfernen. Das gilt auch bei Erbrechen, Verdacht auf eine Vergiftung oder für den Fall, dass er einen Fremdkörper verschluckt haben sollte. Um dies festzustellen, öffnet man die Schnute und schaut rein, ob im Maul ein Fremdkörper, Blut oder Schleim steckt. Dabei die Zunge weit herausziehen. Doch Achtung! Auch wenn der Hund bewusstlos zu sein scheint, könnte er zuschnappen. Was viele Hundehalter nicht wissen: das beliebte Stöckchen spielen ist ziemlich gefährlich. Nicht selten werden diese oder Teile verschluckt und führen zu inneren Verletzungen, die das Leben kosten können.

Katze in die Box

Einer Katze kann man selbstverständlich keine Schlinge umlegen. Zudem hat sie ihre Krallen, um sich zur Wehr zu setzten. Deshalb sollte man sich einer verletzten Katze stets mit Vorsicht nähern. Gelingt es, sie einzufangen, kann man sie in ein Tuch wickeln. Am besten ist sie in einer Transportbox für Katzen oder einem Käfig aufgehoben. Notfalls kann sie auch in eine Sporttasche gesetzt werden. Wichtig ist, dass sie sich nicht selbst befreien kann. Deshalb sind Weidekörbe nicht geeignet. So gesichert kann sie für ihre weitere Versorgung schnell zur nächsten Tierarztpraxis transportiert werden.

Puls messen

Je größer der Hund, desto niedriger ist sein Pulsschlag. Bei einem ausgewachsenen Hund liegt dieser zwischen 60 und 170 Schlägen pro Minute, bei der Katze und auch bei Welpen zwischen 90 bis 240 pro Minute. Es empfiehlt sich, das Messen des Pulsschlags am Tier zu üben. Man misst sowohl in Ruhe als auch nach der Bewegung. So kennt man den normalen Puls seines Tieres im gesunden Zustand und kann ihn leicht finden. Gemessen wird er mit dem Finger an der Arterie auf der Innenseite des Oberschenkels. Sie fühlt sich wie eine dicke Sehne an. Die Pulsschläge 15 Sekunden lang zählen und dann mal vier nehmen: das ergibt den Puls pro Minute. Steht das Tier unter Schock, so geht der Puls sehr schnell und pochend. Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der mit Kreislaufversagen enden kann.

Was tun bei Verletzungen

Hat sich Hund oder Katze eine Kralle abgerissen, so wird das Tier daran nicht verbluten. Hilfreich ist in diesem Fall, einen Mull-Verband anzulegen, der die Wunde gut abdeckt. Auch zwischen die Zehen einen Wattebausch schieben und dann die Pfote verbinden. Dabei nicht zu fest ziehen, damit kein Blutstau entsteht. Spritzende, arterielle Blutungen werden mit einem Druckverband gestillt. Sollte die Wunde weiterhin stark bluten, ist sie abzubinden. Auch eine Ohrverletzung stellt keinen lebensbedrohlichen Zustand dar. Man kann das Ohr mit einem Pflaster an den Kopf kleben oder den gesamten Kopf mit einer Mullbinde umwickeln, was allerdings nicht unbedingt lange halten wird. Auf keinen Fall darf der Verband zu fest angelegt werden!

Hat sich das Tier an der Brust verletzt, sollte man untersuchen, ob die Wunde oberflächlich oder tief ist. Zur Erstversorgung kann man ein T-Shirt überziehen, um die Verletzung provisorisch abzudecken. Bei tiefer sitzenden Verletzungen, noch dazu verbunden mit gurgelnden Geräuschen oder zischender Luft, muss das Tier sofort zum Arzt.

Erbrechen ist ernst zu nehmen, aber nicht immer ein Notfall, insbesondere wenn das Tier sonst munter ist. Das kann der Besitzer am besten selbst einschätzen, der das Verhalten seines Tieres kennt. Gut ist in jedem Fall, Elektrolyte zu füttern, um den Wasserhaushalt zu regulieren. Beruhigend wirkt auch Kamillentee, aber bitte keinen schwarzen Tee oder Milch verabreichen. Zeigt sich hingegen keine Besserung und das Tier erbricht mehrere Stunden lang, ist unbedingt noch am selben Tag der Tierarzt aufzusuchen.

Das gleiche gilt für Durchfall. Der kann zum Beispiel lediglich durch eine Futterumstellung hervorgerufen werden. Dann hilft erst mal leicht verdauliches Futter oder eine Diätkost aus Hühnerbrühe, gekochter Hühnerbrust mit Reis und Hüttenkäse. Auch Würmer können Ursache für Durchfall sein. Deshalb sollte auf eine regelmäßige Entwurmung geachtet werden. In akuten Fällen wird der Tierarzt die Ursache diagnostizieren und eine entsprechende Behandlung einleiten. Diabetes kann ebenfalls ein Grund für Durchfall sein. Ist der Stuhlgang wässrig oder gar blutig und schwarz, so sollte noch am selben Tag das Tier zum Arzt gebracht werden.

Verstopfung beim Hund kann verschiedene Ursachen haben. Häufig ist es mangelnde Bewegung oder auch Knochenfütterung. Ist der Kot vorrübergehend hart, hilft es Salatöl einzuflößen und nichts zu füttern. Nach vier bis sechs Stunden sollte der Hund wieder sein Geschäft machen. Auch Katzen leiden gelegentlich unter Verstopfung, zum Beispiel wenn sie zu wenig Wasser trinken. Halten die Beschwerden länger an, dann sollte ein Tierarzt konsultiert werden, um die Ursache zu klären. Besonders gefürchtet unter Hundebesitzern ist die Magendrehung. Ohne Operation führt sie zum Tod. Besonders betroffen sind große Hunde, allen voran die Deutsche Dogge. Dabei dreht sich der Magen des Hundes um die eigene Achse. Blutgefäße sowie Darm und Speiseröhre werden abgeschnürt, was zum Kollaps führt. Ist der Hund unruhig und hechelt stark oder versucht er zu erbrechen, dann sind das deutliche Symptome für eine Magendrehung.

Die hier skizzierten ersten Hilfe Maßnahmen haben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist ratsam, einen speziellen Kurs zu besuchen, in denen Handgriffe erklärt und geübt werden. Am besten fragen Sie Ihren Tierarzt oder in der Hundeschule nach entsprechenden Angeboten.

Giftiges und Unverträgliches für Hund und Katz

Es gibt viele Substanzen im Haushalt, die für den Hund oder die Katze unverträglich oder gar giftig sind. Dazu zählen zum Beispiel Frostschutzmittel, die wegen ihres süßen Geschmacks gern von den Tieren aufgeschleckt werden. Haushaltsdünger und Pflanzenschutzmittel gehören ebenfalls nicht in die Pfoten von Hund und Katz. Schokolade darf auf gar keinen Fall verfüttert werden. Eine Tafel kann für einen fünf kg schweren Hund tödlich sein! Auch Weintrauben und Rosinen verträgt ein Hund nicht. Sie können akutes Nierenversagen auslösen. Lebensgefährlich ist Rattengift. Dies sollte niemals offen stehen oder gar ausgestreut werden. Leider kommt auch immer wieder vor, dass Giftköder von Tierhassern in Parks, Anlagen und auf Gehwegen ausgelegt werden. Doch dank Internet und den social media Plattformen wie facebook sind Hundebesitzer schnell über die Gefahr informiert und können entsprechend reagieren. Nach Auskunft von Tierarztpraxen gehören Köder zu den seltensten Ursachen für Vergiftungen.

Giftig sind auch viele Zimmer- und Gartenpflanzen. Wer einen Hund oder eine Katze hat, sollte im Garten keine Maiglöckchen, Fingerhut, Goldregen, Buchsbäume, Misteln, Eibe, Christdorn, Engelstrompete, Oleander, Rhododendron, Thuja, Azaleen und Amaryllis pflanzen. Zu den problematischen Zimmerpflanzen steht an erster Stelle die Dieffenbachie, auch Schweigrohr genannt. Schon 3 bis 4 g der Blätter sind tödlich; selbst das abgeflossene Gießwasser ist hochgiftig. Schwach-giftig ist die Bajonettpflanze. Auch der beliebte Weihnachtsstern kann für Tiere zum Verhängnis werden. Zwar sind die meisten Zuchtformen nur sehr gering toxisch, aber es in zwei bekannt gewordenden Fällen starben ein Hund und eine Katze, die nur wenige Blätter verzehrt hatten. Viele andere Pflanzen sind zwar nicht akut giftig, aber können zum Beispiel Nieren, Leber, Magen und Darm schädigen.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihr Tier etwas Giftiges gefressen hat, sollten Sie umgehend den Tierarzt aufsuchen. Wenn man mitbekommen hat, was der Hund oder die Katze gefressen hat, unbedingt die Verpackung, die Substanz oder die Pflanze mitnehmen und dem Arzt zeigen. Vergiftungen können sehr schnell verlaufen, manchmal aber treten Anzeichen erst nach ein paar Tagen auf.

Listen mit allen toxischen Pflanzen und Substanzen gibt es beim Tierarzt oder im Internet:

Giftpflanzen für Hunde

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